Über spontane Ideen & einen Tagestrip nach Hannover
Über spontane Ideen & einen Tagestrip nach Hannover

Über spontane Ideen & einen Tagestrip nach Hannover

Zwei Freunde, eine sponate Idee und ein Tag in Hannover. Ein Erfahrungsbericht.

Wann seid ihr das letzte Mal einer spontanen Idee gefolgt? Spontane Ideen sind oftmals die besten. Warum? Weil wir kaum Erwartungen haben. Weil wir unvoreingenommen sind und alles auf uns zukommen lassen. Wir erfreuen uns an den schönen Dingen und fokussieren uns nicht auf die, die nach langem Planen nicht geklappt haben.

Samstagabend bekam ich eine Nachricht von meinem guten Freund Lennart, der in Friesland wohnt. Das letzte Mal gesehen haben wir uns im Januar. Sein Sommer ist in wenigen Tagen vorbei, er muss danach zurück in die Schule, sein letztes Schuljahr ruft.

Mit dem ICE kann man Hannover grob als Mitte von unseren beiden Heimatstädten bezeichnen; keine*r von uns muss länger als zweieinhalb Stunden fahren. Ein Tag und ein Telefonat später waren schon die Tickets für den folgenden Mittwoch gebucht. Der Plan: Mittwoch früh nach Hannover mit dem ICE und abends wieder zurück. In Hannover dann ein bisschen durch die Stadt laufen und am Maschsee chillen.

So machen wir es dann auch. Durch Corona haben viele Gebäude und Einrichtungen nicht geöffnet, so kann zum Beispiel im Neuen Rathaus nur die Eingangshalle besichtigt werden und das historische Museum ist sogar ganz geschlossen.

„Viel kann man in Hannover eh nicht sehen“, meint Lennart. Er muss es ja wissen, schließlich ist er etwa zwei Mal jährlich in der Landeshauptstadt. „Hannover ist Erholung“, schreibt er weiter. Es sei nicht ungerechtfertigt, dass die Stadt das Image der langweiligsten Stadt Deutschlands habe. Okay, denke ich mir. Ich war noch nie in Hannover, bin immer nur durchgefahren. Zeit, der Stadt eine Chance zu geben und vor allem Lennart wiederzusehen.

Um 8.51 Uhr fuhr der ICE am Hauptbahnhof Berlin ab, anderthalb Stunden später soll ich in Hannover sein. Die Toiletten in der Bahn sind wie immer widerlich. Aber immerhin trägt jede*r eine Maske, und zwar richtig aufgesetzt. Die Felder ziehen an mir vorbei. Bahnfahren hat so etwas beruhigendes, finde ich. Gegen halb elf komme ich am Hauptbahnhof in Hannover an, Lennart war ein paar Minuten früher da. Die große Wiedersehens-Szene spare ich mir am Bahnhof.

Da ich mich vor der Reise nicht über die Stadt informiert habe, bin ich positiv überrascht, als wir den Bahnhof verlassen. Schön ist es hier, muss ich feststellen.

Wir schlendern durch die Innenstadt und stehen schließlich vor dem Neuen Rathaus. Leider können wir uns nur die Eingangshalle anschauen, Treppen, die nach oben führe, dürfen wir nicht benutzen. Ebenso wie den Kuppelaufzug, der, wie der Name schon verrät, uns direkt zur Kuppel geführt hätte und der einen Ausblick über ganz Hannover bietet. „Der wird erst wieder in Betrieb genommen, wenn Corona vorbei ist“, erfahren wir von einem Herrn, der augenscheinlich im Neuen Rathaus arbeitet. Das kann also noch dauern.

Das Neue Rathaus / Dijana Kolak

Danach setzen wir uns in ein Café und genießen ein zweites Frühstück. Gestärkt geht es in Richtung Linden-Mitte zum Ihme-Zentrum, einem heruntergekommenen Wohnkomplex, das auf den ersten Blick sehr überwältigend wirkt. Es ist hässlich und an einigen Stellen stinkt es nach Urin.

Das Ihme-Zentrum ist ein Wohn-, Büro- und Einkaufskomplex – zumindest war das der ursprüngliche Plan. Der Bau startete 1971. „Bis 1975 entstanden eine Verkaufsfläche von 60.000 m² sowie Wohnflächen von 58.300 m² für etwa 860 Wohnungen (etwa 2400 Personen) und 8000 m² für etwa 450 Studenten“, schreibt Wikipedia. Seit 2000 gab es mehrere Investoren. Dennoch schaffte es keiner von ihnen, dem Ihme-Zentrum durch eine umfassende Sanierung seinen Glanz zurückzugeben.

Genug gesehen. Mit Next-Bike-Fahrrädern machen wir uns auf den Weg zurück zum Maschsee, wo die Welt noch in Ordnung ist. Einen Plan, wohin wir genau müssen, haben wir nicht, aber schließlich kommen wir doch irgendwie an. Es kommen uns immer wieder Inline-Skater*innen entgegen. Wir sind dankbar, für den Schatten, den uns die hoch gewachsenen Bäume spenden, die den Rad-/Inline-Skater-Weg umgeben. Es sind 32 Grad draußen.

Irgendwann haben wir Lust auf Eis, also fahren wir einmal um den Maschsee herum zur Eisdiele Europa. Von außen sieht die Eisdiele unspektakulär aus, das Eiscafé ist beinahe voll besetzt. Wir finden noch einen Platz und müssen nicht lange auf unsere Eisbecher warten. Dass Eisbecher immer leicht aus der Zeit gefallen wirken und nicht besonders fotogen sind, scheint ein allgemeines Phänomen zu sein, entscheiden wir. Das Eis im Becher ist dafür umso leckerer und definitiv unsere Rettung nach dem Radfahren in der Hitze.

Fertig gegessen, laufen wir zurück Richtung Hauptbahnhof. Zweimal müssen wir die U-Bahnhof-Unterführung nutzen, weil Lennart mir unbedingt zeigen möchte, wie kompliziert es ist, dort wieder herauszufinden. Spoiler: Ist es nicht.

Am Hauptbahnhof angekommen sind wir erschöpft und fertig von dem Tag, so dass wir uns in die DB-Lounge setzen und die letzten Minuten vor Abreise dort verbringen. Lennart ist ziemlich stolz, dass er so viele Bahn-Bonuspunkte gesammelt hat, dass er jetzt auch Zutritt zur Lounge hat und sogar jemanden mitnehmen kann. Heute bin ich die Glückliche. Die Lounge hat etwas von einer Flughalle, nach dem Check-In. Mit dem Unterschied, dass man hier nicht für ein einfaches Wasser fünf Euro zahlen muss, sondern dass es Getränke und Eis gratis gibt.

Schließlich geht es für uns zurück nach Hause. Für Lennart nach Oldenburg, für mich zurück nach Berlin. Wir hatten einen schönen Tag gemeinsam verbracht. Ich bin dankbar für unsere Freundschaft und dankbar, dass Lennart die Idee hatte, dass wir uns in Hannover treffen. Als nächstes geht es für uns wahrscheinlich nach Braunschweig.

 

 

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