„Linke Gewalt ist total bescheuert!“ – Emma Fuchs über Antifaschismus und Gewaltbereitschaft in linken Kreisen

TEIL ZWEI: Im zweiten Teil des Interviews spreche ich mit Emma über Antifaschismus, darüber, warum sie die Hufeisentheorie lächerlich findet und warum wir keine Angst vor linker Gewalt haben müssen.

© FFF Berlin

Aktiver Kampf gegen Faschismus

Für Emma bedeutet „Antifaschismus“ gegen Faschismus zu sein. „Das ist auch ein Großteil der Gesellschaft.“ Dennoch bezeichnen sich nicht alle als Antifaschist*innen. Diejenigen, die das tun, würden aktiv dagegen ankämpfen.

Oft wird mit dem Begriff Antifaschismus das Akronym „Antifa“ assoziiert. Dies hat eine historische Bedeutung (KPD 1932) „Die Antifa hat keine Organisationsstruktur, keine Anführer und kein Hauptquartier“, schreibt Wikipedia.

Man kann nicht von der Antifa sprechen. „Es gibt keine übergeordnete Gruppe, keinen Verband. Menschen, die mit Antifa-Flaggen rumlaufen, kämpfen aktiv gegen Faschismus.“ Gruppen, die gewalttätig sind, gebe es auch, aber das sei nur ein kleiner Teil der Antifaschist*innen. In der Regel seien es aber keine gewalttätigen der Menschen, sie würden zu friedlichen Mitteln greifen, zum Beispiel ihre Gesinnung in Form von Stickern, Flaggen oder bedruckten Pullis ausdrücken.

„Antifa-Flaggen sind bei unseren FFF-Streiks unerwünscht, ja, sogar verboten.“ Bei Großstreiks ist es aber anders: Dort gibt es unterschiedliche Themenblöcke, alle Flaggen außer Parteiflaggen wären erlaubt. NGOs und andere Organisationen könnten für ihre Anliegen werben. Davon machen unter anderem die Seebrücke wie auch Antifaschist*innen und Antikapitalist*innen gebrauch.

„Ich finde es gut, dass wir bei Großstreiks auch diesen Themen eine größere Bühne bieten.“

Bei den normalen Freitags-Demos soll der Fokus auf den Forderungen von FFF liegen, außerdem soll es neutraler zugehen. Bei FFF sei die Stimmung immer sehr friedlich. „Einmal bei einem Großstreik gab es eine Auseinandersetzung mit der Polizei. Im antikapitalistischen Block.“ Auf beiden Seiten herrschen Vorurteile.

Auseinandersetzungen mit der Polizei

Die Polizei sei auch den Antifaschist*innen nicht immer ganz wohlgesonnen. „Ich wurde bei einer Aktion des zivilen Ungehorsams von einer Polizistin vom Platz verwiesen – eine sehr unschöne Begegnung. Sie war sehr aggressiv – und dass, obwohl ich nicht widerständig war. Ich habe mich an den Rand gestellt, andere haben sich festgeklebt und saßen auf dem Boden. Ich wurde hart von ihr am Arm gepackt, obwohl ich auch mit ihr mitgelaufen bin.“

„So wie ich die Polizei erlebe, verhalten sich Polizist*innen aggressiv und das finde ich keineswegs gut. Damit schüchtern sie massiv ein“. Nach Emma gebe es einen eindeutigen Verbesserungsbedarf in der Polizei-Ausbildung. „Wenn ein Polizist, eine Polizistin auf einen zugeht, hat man im ersten Moment einfach nur Angst. Das ist etwas sehr Negatives und da sollte sich die Wahrnehmung von Polizist*innen ändern.“

Unumstritten gibt es bei antifaschistischen Aktionen Wut auf die Polizei. Diese sei „mal mehr, mal weniger begründet, aber wirklich nicht immer unbegründet“, findet Emma. Gruppendynamiken und ein konkreter Auslöser führen zu Gewaltakten. „Die Leute sind untereinander unglaublich solidarisch, wenn eine Person ein Problem mit der Polizei hat, bekommt sie Unterstützung von den anderen Anwesenden.“

Falls es zu polizeilichen Festnahmen kommt, gibt es Hilfe vom Ermittlungsausschuss. Dass festgehaltene Personen wichtige Medikamente einnehmen müssen, werde von der Polizei teilweise ignoriert.

Der Ermittlungsausschuss hilft, falls es zu Festnahmen kommt. Man kann sich an die Antirepressionsgruppe (Ermittlungsausschuss) seiner Stadt wenden und bekommt Unterstützung. von Linken gestellt. Das Team von Anwält*innen sieht sich als Teil der linken Szene und ist bereit, rechtlichen Beistand zu leisten.

„Man sollte schon die Nummer vom Ermittlungsausschuss dabei haben. Ich habe sie mir bei Aktionen von XR auf den Arm geschrieben.“

Auf Instagram habe ich euch nach euren Assoziationen zu dem Begriffen „Antifaschismus“ und „Antifa“ gefragt. Emma habe ich darauf reagieren lassen und ihr eure Fragen gestellt.

„Etwas Nötiges, aber oft falsch ausgelegtes“

„Aktiv gegen Faschismus sein, ist notwendig.“ Viele Menschen vertreten bereits eine antifaschistische Gesinnung, allerdings sei es nötig, diese auch offen auszutragen.

„Die Ausbreitung von Faschismus durch das Verbreiten von faschistischem Gedankengut ist immer noch ein akutes Problem.“

Gerade mit dem Begriff Antifa wird Gewalt assoziiert. Zurecht? „Es gibt viele, die gewalttätig sind. Die Autos anzünden und Läden plündern. Das verstehe ich nicht.“

„Gewaltbereitschaft“

„Ich weiß nicht, warum die so aggressiv sein müssen. Ladenplünderungen, etc. das ist einfach total bescheuert! Und überhaupt nicht zielführend. Dies besonders nicht, wenn mittelständische Läden ausgeraubt werden – also von Leuten, deren ganze finanzielle Existenz von diesem Geschäft abhängig ist.“ Das sei das Gegenteil von dem, was Antifaschis*innen wollen sollten.

Warum Linke, die sich für alle Menschen, auch für die sogenannten „kleinen Leute“, einsetzen, dann gegenüber genau diesen Menschen Gewalt anwenden – dafür hat Emma kein Verständnis. Das Erreichen der Ziele der Antifaschisten rücke so in noch weitere Entfernung – vor allem auch durch schlechte Medienberichte. Emma kann sich vorstellen, dass die Radikalen vor allem in linken Medien über ihre Aktionen lesen und dadurch nicht mitbekommen, wie ihr Handeln auf die breite gesellschaftliche Schicht wirkt.

„Vielleicht denken auch manche: Hauptsache Aufmerksamkeit, egal ob positive oder negative.“

Emma lehnt jede Form von Gewalt ab. Ob sie sich die Gewaltbereitschaft erklären kann? „Verzweiflung. Die Suche nach Aufmerksamkeit.“ Auch: Sichtbarmachen von Problemen und Missständen.

„Ich kenne das selbst, wenn man merkt, dass man mit den Aktionen nicht so viel erreicht. Und dass man dann zu extremeren Mitteln greifen möchte.“

Ob diese gewaltbereiten Menschen das Label von Antifa missbrauchen, könne man so aber nicht sagen.

„Es gibt viele Idiot*innen – auch in linken Kreisen!“

„Mittlerweile leider nur noch die Antifa und die Behauptung sie sei der Inbegriff von Demokratie“

Nach kurzem Überlegen: „Nein.“ Die Bezeichnung habe sich – zumindest ein bisschen verschoben. Antifaschismus heiße nicht gleich Antifa. Fast alle seien demokratisch gesinnt. „Es gibt natürlich auch einige, die sich eher einen autoritären, kommunistischen Staat wünschen, aber das sei nicht „das Normale“. Es gebe unterschiedliche Strömungen in antifaschistischen Gruppen.

„Freiheit, Demokratie, nie wieder Faschismus, gegen Nazis, sozial, Liebe, Familie“

„Das finde ich schön.“, Emma lacht. Das Gesagte treffe zu. Gerade der Punkt mit der Familie: Man habe dort eine Gruppe, auf die man sich immer verlassen könne. Viel Solidarität und Unterstützung in antifaschistischen Kreisen. In den Gruppen geht es total liebevoll zu. Das Verhalten untereinander habe definitiv etwas familiäres, findet Emma. „Alle sind nett und lieb zueinander!“ Emma hat in den linken Kreisen, viele Freundschaften geknüpft. „Ganz liebe Menschen!“, findet sie. Natürlich gebe es auch unsympathische Gruppierungen. „Zum Beispiel die kommunistische Gruppe „Revolution“, die FFF wirklich unterwandern will, um ihre Forderungen durchzusetzen. So ist auch die MLPD drauf.“

„Gegen Nazis zu sein, gegen Menschen, die rassistisch denken.“

„Auch sehr zutreffend. Das sind definitiv die wichtigsten Aspekte. Besonders der Kampf gegen Nazis ist ja der Auslöser der antifaschistischen Aktion.

„Antifa, Krawalle, G20 in Hamburg, Doppelmoral, blauäugiger Idealismus“

„Teilweise ja“. Besonders die Doppelmoral von antifaschistischer Seite. Als Beispiel nennt Emma den G20-Gipfel. Dort wurde ein Ausnahmezustand herbeigeführt, der nicht zielführend war. Antifaschistische Gruppen hätten durch Krawalle die „falschen“ Autos und Geschäfte demoliert. Doppelmoralisch seien auch die sexistischen Strukturen innerhalb von Antifa-Gruppierungen, die Emma auch im ersten Teil des Interviews anspricht.

Viele Geschäfte wurden geplündert, die Leute sind in schwarzen Blöcken durch die Straßen gezogen, überall hat es gebrannt – eine ziemlich einschüchternde Szenerie, findet Emma. Dennoch: Auch sie sind Antifaschisten, auch sie haben diese Gesinnung. Aber: „Sie leben es anders aus“

Beim G20-Gipfel sei alles ausgeartet. Die Polizei sei daran nicht unbeteiligt gewesen. „Ich finde, dass die Polizei da auch total falsch rangegangen ist!“ Repressives Verhalten – auch gegen friedliche Demonstrationen, wo auch Kinder anwesend waren.“ Trotzdem sei das harte Durchgreifen der Polizei in manchen Fällen angebracht gewesen. „Es wurde aber auch viel pauschalisiert. Dahingehend, dass viele Demos von der Polizei als gefährlich eingestuft wurden, obwohl das nicht der Fall war.“

Hier empfiehlt uns Emma eine Doku, welche die Polizeigewalt beim G20-Gipfel schildert und die sie zu der Thematik geschaut hat.

„Fast genauso schlimm wie AFD, usw.“

„Das finde ich krass.“ Nach Emma sei dies nicht miteinander vergleichbar. „Antifa steht für eine Gesinnung, die gegen Faschismus ist. Gegen die Unterdrückung von Minderheiten, dafür, dass wir eine offene und tolerante Gesellschaft haben. Die AfD ist das Gegenteil davon.“ Warum zieht dann jemand diesen Vergleich? „Könnte an der Extremismus-Theorie liegen.“  

Damit ist die sogenannte Hufeisentheorie gemeint, wonach beide politischen Extreme, links wie rechts, gleich schlimm seien. Diese Extremismustheorie wird oftmals für Propagandazwecke genutzt. Lest hier mehr zu der Frage, ob die Theorie zeitgemäß ist.

Auf diese Theorie beziehe sich auch die CDU vermehrt. „Das finde ich lächerlich.“ Das Befolgen der Hufeisentheorie kritisiert Emma bei der CDU: Diese würden die Linke und die AfD gleichstellen, was sich im Debakel bei der Landtagswahl in Thüringen gezeigt habe. „Die CDU hat sich vehement dagegen gewährt, Ramelow eine Stimme zu geben, damit dieser Ministerpräsident werden kann. Ramelow ist aber von breiten Kreisen der Gesellschaft akzeptiert. Da finde ich es lächerlich, sich so fest daran zu klammern, jegliche Unterstützung einer linksgesinnten Person zu unterstützen.“

„Linke Gewalt ist nicht besser als rechte“ & „Terrororganisation“

„Linker Terrorismus kann auch echt furchtbar sein.“ Die RAF würde Emma in keiner Weise unterstützen. „Ich finde es auch total bescheuert, wenn Linke terroristisch sind. Für mich ist Linkssein etwas, das sich für eine tolerante, offene und vor allem gewaltfreie Gesellschaft einsetzt.“

Die Rote Armee Fraktion (RAF) trägt die Schuld an zahlreichen politisch motivierten Morden. Sie ist eine linksextreme Terrororganisation der BRD. 1998 erklärte sie zwar ihre Selbstauflösung, nach einstigen Mitgliedern wird immer noch gefahndet.

Derzeit hätten wir mehr Probleme mit rechtem Terrorismus. „Linke Gewalt richtet sich gegen Gegenstände. Aus Wut gegenüber dem bestehenden System.“

Straftaten, die linksmotiviert sind, nehmen zu, verglichen mit den Vorjahren. 6.400 Taten mit linksextremistischem Hintergrund sind 2019 verübt worden, schreibt das Handelsblatt. Gewaltdelikte seien zwar zurückgegangen, dennoch entspricht die Gesamtanzahl der Straftaten 40 Prozent mehr als die im Vorjahr.

Auch in den Medien stellt sich immer öfter die Frage, ob linke Gewalt eine unterschätze Gefahr ist. Es gibt zahlreiche Artikel, die über linke Straftaten aufklären. Hier einer von der Berliner Morgenpost, der heute, am 02.08.2020 erschienen ist und über die Gewaltanwendung bei einer linken Demo berichtet. „Ich persönlich hätte keine Angst vor linker Gewalt. Gerade auch, weil ich links bin, aber ich glaube nicht, dass sich linke Gewalt gegen irgendwelche random Personen richten würde. Als normaler Mensch müsse man sich in seiner Person nicht vor linker Gewalt fürchten.

„Bei Rechten ist das Ding: Sie laufen durch die Straßen und beleidigen zum Beispiel PoC (People of Colour).“ Psychische Gewalt gebe es bei den Linken nicht. Linke verüben physische Gewalt gegen Gegenstände (Sachbeschädigung). „Rechter Terror bzw. Gewalt kann viel mehr bei den Betroffenen psychisch ausrichten. Wenn Rechte sagen, dass Homosexuelle in die Hölle gehören, dass Menschen, deren Vorfahren aus anderen Ländern kommen, in Deutschland nichts zu suchen haben, … – dann kann das unglaublich verletzen“.

Auch hier eine Empfehlung von Emma: der Account „wasihrnichtseht“ auf Instagram, wo Schwarze anonym ihre Alltagserlebnisse teilen, in denen sie Diskriminierung erfahren haben.

Emma selbst betreffe das auch. Seit Dezember 2019 ist sie mit ihrer Freundin zusammen. „Wenn ich mit meiner Freundin händchenhaltend durch die Gegend laufe, habe ich auch manchmal Angst, dass wir diskriminiert werden.“ Verachtend angeschaut werden sie auf offener Straße öfters: „Die mustern uns total komisch und das ist eine sehr unangenehme Situation für uns.“ Offen angegriffen wurden sie zum Glück noch nicht „Aber wir leben ja auch in Berlin. Wenn wir in einem Nazi-Dorf in Brandenburg wären, wäre das sicher anders“

Bei Linken ist das nicht so. „Die schreien den Leuten nicht einfach irgendwelche Sachen hinterher, welche diskriminierend sind und Betroffene verletzen.“

Was öfter passiere, sei die öffentliche Sexualisierung des lesbischen Paares. Sie bekommen unangebrachte, anzügliche Kommentare zu hören. „Zum Beispiel im Club. Wir waren mal feiern, haben uns im Club geküsst und dann hat ein Typ gefragt: „Seid ihr zusammen oder wollt ihr mich nur geil machen?““ Schrecklich, finden wir beide.

Mit einem anderen Mädchen wurde Emma gefragt, ob sie einen Dreier haben könnten. „Es verletzt mich nicht wirklich, es ist einfach total respektlos!“

Um den Bogen zu schließen: In linken Kreisen seien alle dem lesbischen Paar wohlgesonnen. In rechten Kreisen: „Da wäre das komplett anders.“

„Wenn Linke homophob sind, sind sie nicht mehr Links!“

„Wenn Linke homophob sind, sind sie in meinen Augen auch nicht mehr Links!“ Es sei allerdings etwas anderes, offen homophob zu sein oder durch gesellschaftliche Narrative das Gefühl vermittelt bekommen zu haben, dass anzügliche Kommentare gegenüber einem lesbischen Paar okay sind.

„Wahrheitsverzerrende Berichtserstattung (DIE eine Antifa gibt es nicht)“

„Das stimmt.“ Es werde in der Medienberichterstattung viel pauschalisiert, über „die“ Antifa gesprochen, obwohl es total viele kleine Gruppen gebe. Nicht jede Gruppierung könne sich mit den Aktionen anderer, die sich als antifaschistisch betiteln, identifizieren. „Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es für die Berichterstattenden unmöglich ist, zu trennen, ob eine Aktion von der Jugend Antifa in Kreuzberg oder in Friedrichshain ausgegangen ist.“

„Gewaltbereite Gruppierung deren Mitglieder zurecht beobachtet und bei hinreichender Beweislage strafrechtlich verfolgt gehören.“

„Es gibt gewaltbereite Menschen in antifaschistischen Gruppierungen.“ Aber dabei handle es sich um einen „sehr sehr kleinen Teil“.

„Ab wann ist jemand deiner Meinung nach, ein Faschist? AFD-Unterstützer, Merz Fan, …“

„Das ist eine gute Frage. Die Grenzen können auf jeden Fall fließend sein.“ Deswegen die Debatte, ob AfD als faschistisch eingestuft werden soll/kann. Dort gebe es schließlich auch Mitglieder, die der bürgerlichen Mitte entstammen – „nur ein bisschen rechtsgerückter“. „Dann gibt es aber noch einen Bernd Höcke, den man laut einem Gerichtsurteil als Faschist bezeichnen darf.“

„Für mich ist ein Faschist, eine Faschistin, eine Person, die Menschen als weniger wertvoll bzw. als weniger legitimes Mitglied der Gesellschaft aufgrund von Herkunft, Sexualität, Religion, etc.“ Aber auch hier gebe es Abstufungen: „Bei einigen ist das ausgeprägter als bei Anderen“.

„Ich würde jetzt auch nicht alle Rechte sofort als Nazis beschimpfen.“

„Sachbeschädigung als legitimes Mittel? (Beispiel Rigaerstraße)“

In der Rigaerstraße in Berlin haben Linke bereits in den Neunzigern Häuser besetzt und kämpfen nun für den Erhalt des besetzen Wohnraums. Besonders in den Fokus gerät dabei die Nummer 94. Polizist*innen versuchten, eine Hausdurchsuchung durchzuführen, ohne die rechtliche Legitimation. Die linksautonomen Hausbesetzer*innen befinden sich in einem dauerhaften Konflikt mit der Polizei, in dem vor der Gewaltanwendung nicht zurückgeschreckt wird.

„Eigentlich kein legitimes Mittel!“ Die Beschädigung von Polizeiautos könne Emma aber schon eher nachvollziehen, als wenn beliebige Autos angezündet werden. „Finde ich aber immer noch nicht richtig, aber kann es zumindest eher verstehen, weil es was mit dem Konflikt mit der Polizei zu tun hat.“ Beliebige Autobesitzer*innen seien schließlich nicht in eine Auseinandersetzung verwickelt.

Hausbesetzung an sich „ein gutes Mittel.“ Leerstehende Häuser würden so genutzt werden, in denen Niemand wohnen darf, obwohl in Berlin zu hohe Mietpreise gelten und auch Wohnraummangel herrscht. „Und dann sind da Menschen, die sich ihren eigenen Wohnraum nehmen. „Hausbestzungen sind, finde ich, `ne coole Sache.“

Solange es nicht zu Verletzungen kommt, findet es Emma nicht schlimm, sich in solchen Kontexten gegen die Polizei zu wehren.

„Klimaschutz durch wirtschaftliche Anreize und Vorgaben oder durch Verbotspolitik aka die Grünen? Welchen Weg hältst du für praktikabler?“

„Zunächst würde ich nicht sagen, dass die Grünen eine Verbotspolitik verfolgen.“ Dennoch müssten einige Sachen wie Einwegprodukte aus nicht nachwachsenden Rohstoffen, klimaschädliche Produktion und Mobilität, etc. verboten werden. Klimafreundlichere Gestaltung. Gutes Zwischending. Der Markt kann das nicht alleine regeln. „Ich glaub auch nicht, dass sich das Verhalten der Verbraucher*innen so weit und vor allem so großflächig ändert, dass der Markt klimafreundlich wird.“ Es brauche Maßnahmen, die von politischer Seite aus kommen. Ein Beispiel, wäre die CO2-Steuer, die Emma bereits im ersten Teil des Interviews angesprochen hat.

„Bist du vegan? Weil wenn nicht, gegen welche Unterdrückung bist du dann, wenn nicht gegen alle?“

„Ich bin Veganerin. Hauptsächlich für den Tierschutz – gegen die Unterdrückung von Tieren.“ Als Emma vegan geworden ist, sei ihr noch gar nicht bewusst gewesen, welchen Einfluss die Ernährung auf das Klima hat. Wie klimafreundlich vegane Ernährung ist, zeigen auch verschiedene Studien, die belegen, dass durch eine tierproduktfreie Ernährung bis zu 73 Prozent CO2 eingespart werden können.

„Ich kämpfe gegen die Unterdrückung von Tieren sowohl als auch von Menschen!“

„Identifizierst du dich mit dem Verbrennen von Israel-Flaggen?“

Diese Frage spielt auf den Nahost-Konflikt an. Um zu verstehen, warum Israel-Flaggen öffentlich verbrannt werden, muss man sich folglich mit den Ursachen und dem Verlauf dieses Konfliktes auseinandersetzen. Das wäre an dieser Stelle allerdings zu umfangreich.

„Nein. Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Existenz des Staates Israel als jüdischen Staat. Ich kann nachvollziehen, dass eine religiöse Gruppe nach so viel Unterdrückung den Wunsch hat, einen sicheren Ort für sich zu haben in Form eines Staates.“ Dennoch hält Emma die Israel-Kritik für gerechtfertigt, „wenn man sich anschaut, wie mit Palästinenser*innen umgegangen wird. Diese Menschen leben eben auch in einer furchtbaren Situation, in unmenschlichen Verhältnissen.“

„Das Verbrennen von Israel-Flaggen sendet ein falsches Signal.“ Und zwar: Das man gegen die Existenz eines jüdischen Staates ist – und das ist Emma nicht. „Das Verbrennen von Israel-Flaggen stelle ich mir eher bei einer Pegida-Demo vor.“

„Steht die Antifa deiner Meinung nach ausschließlich für Antifaschismus?“

Das sei schon der Hauptaspekt. „Man kann sich noch auf andere Themen intensiver konzentrieren.“ Antifa-Gruppen, die FFF unterstützen, würden Klimaschutz stark mit Antifaschismus verbinden. Einzelne Themen seien eben in einigen Gruppen mehr vertreten als in anderen.

„Wie siehst du die Verbindung zwischen Kapitalismus und Antifaschismus? (Zusammenhänge)“

„Ich bin nicht der größte Fan des Kapitalismus, vor allem nicht in seiner jetzigen Form. Ich glaube sozial und grün funktionieren kann, wenn nötigen Gesetze vorhanden sind, dass Produktionen klimafreundlich und sozial gerecht sein müssen. So wie der Kapitalismus jetzt ist: nicht tragbar (klimaschädliche Produktion und wie mit Näher*innen umgegangen wird)

„Welche Partei hat deiner Meinung nach die besten Antworten auf die Klimakrise?“

„Schwierig“, findet sie. Man würde jetzt erstmal an die Grünen denken, die größte Ökopartei. Allerdings gebe es unglaublich viele Umwelt- und Tierschutzparteien. Unter den etablierten Parteien würde sich Emma für Die Grünen entscheiden. Die Linken gehen teilweise in eine Richtung, die sie nicht mit sich vereinbaren kann. Emma stört sich an der DDR-Stimmung in der Partei und die extreme Richtung von Planwirtschaft. „Ich bin optimistisch, dass wir unser Wirtschaftssystem nicht komplett umkrempeln müssen“ Für Emma wäre dies nicht denkbar. „Es geht um die Optimierung des jetzigen Systems.“

„Ich glaube nicht, dass wir eine Revolution brauchen.“ Eher eine kleine Reformation des Systems. Neomarxistisch sei Emma auf keinen Fall.

Bei den kleineren Parteien gebe es viele, die sich nur auf ein Thema fokussieren, Forderungen angemessen „voll cool“. Aber viele andere Themen finden keinen Platz. Eine Partei, die ernst genommen werden will und etwas erreichen möchte, müsse sich mit einem breiten Spektrum an relevanten Themen befassen. Nur Klimathemen reichen da nicht aus.

„Ich könnte mich jetzt nicht einer Partei zuschreiben!“

Zum Schluss frage ich Emma nach ihrer Vorstellung einer optimalen Gesellschaft. Das sei nach Emma eine Gesellschaft, in der niemand diskriminiert wird, alle werden akzeptiert. Es herrscht Chancengleichheit durch alle Bildungsschichten hinweg. Da Bildung ein unglaublich wichtiger Aspekt sei, würde die Schulbildung dafür sorgen, dass alle entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert werden. Zudem sollte der Ausbruch aus bildungsfernen Schichten gelingen. „Eine „Vermischung“ aller gesellschaftlichen Schichten soll stattfinden.“ Das dies bisher noch nicht der Fall ist, zeigt zum Beispiel der Bundestag: Dort gebe es vorrangig weiße Menschen, verhältnismäßig wenige Frauen. Der Anteil an PoC in höheren Gremien sei außerdem sehr gering. Dass wäre in Emmas Traumgesellschaft anders.

Außerdem: Der Staat soll für den Menschen da sein und nicht der Mensch für den Staat. Politik soll darauf ausgerichtet sein, dass sie das Gemeinwohl stärkt und die Lebensgrundlagen erhält. Dazu gehört es auch, das Klima zu schützen.

„Die Erde soll in ihrer Schönheit erhalten bleiben, so dass alle nachfolgenden Generationen die Erde genauso kennenlernen, wie wir sie kennenlernen konnten.“

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