„Links-grün versifft“
„Links-grün versifft“

„Links-grün versifft“

Im Interview mit Klimaaktivistin Emma Fuchs.

Über den Aufwand von FFF-Streiks, die Zukunft der Bewegung und ihre Meinung zur extremeren Klimabewegung XR.

Zu Emma

„Links-grün versifft“ stand eine Zeitlang in ihrer Instagram-Biografie. Emma Fuchs ist 16 Jahre alt und macht nächstes Jahr ihr Abitur. Seit anderthalb Jahren engagiert sie sich freiwillig bei Fridays for Future (FFF), einer Klimagerechtigkeitsbewegung.

Einen genauen Plan für die Zeit nach dem Abi hat sie noch nicht. Vorstellen kann sie es sich, etwas in Richtung Politik zu machen. „Mein Back-Up-Plan ist es, Lehrerin zu werden, weil ich glaube, dass man dadurch bereits viel verändern kann. Ich könnte jungen Menschen erklären, wie die Welt aussieht und ihnen Wichtiges mit auf den Weg geben und sie hoffentlich auch für Politik begeistern.“

Emma hat nach einem Weg gesucht, wie sie sich noch mehr engagieren kann – für´s Klima und die Gesellschaft. Privat versucht sie ebenfalls möglichst nachhaltig zu leben. Zum Beispiel ernährt sie sich vegan. Ihre größte Klimasünde? „Shoppen! Mit meiner besten Freundin können es auch mal acht Stunden sein.“

Freitags sei sie immer auf die Demos in Berlin gegangen. Nach ein paar Monaten habe sie dann, gemeinsam mit einer Freundin, eine Organisatorin angesprochen. „Wir haben sie gefragt, wie man sich bei FFF noch mehr engagieren kann.“ Sie wurden zu einem Plenum geschickt und haben sich in der Struktur-AG beteiligt. Offiziell ist Emma dort noch immer AG-Sprecherin. „Durch einen Zufall bin ich dann zu einer Pressesprecherin gewählt worden.“ Ihre Aufgaben da: Interviews geben, an Talkshows und Podien teilnehmen und während der Demos Presseanfragen beantworten.

„Im Prinzip sind wir alle nur Amateur*innen“

Emma genießt das Feeling in den FFF-Kreisen. „Die Leute sind alle auf einer Wellenlänge – trotz teilweise großer Altersspanne.“ Von 13 bis 30-Jährigen seien alle vertreten. „Trotzdem sitzen alle gemeinsam zusammen und alle werden gleichwertig behandelt, niemand schaut auf andere herab. Die meisten Leute finden auch relativ schnell Anschluss und Freund*innen, mit denen sie sich auch privat treffen.“

„Wir haben ein paar Grundsätze, die wir teilen. Wir sind antirassistisch, gegen Antisemitismus, etc. Wir kämpfen gemeinsam für Klimagerechtigkeit, was Umweltschutz mit sozialer Gerechtigkeit vereinigt.“

Und bei Streit? „Wenn Konflikte aufkommen, versuchen wir diese diplomatisch zu lösen. Intern gibt es Awareness-Gruppen, die darauf achten, ob es einem gut geht und an die man sich wenden könnte, falls dies nicht der Fall ist.“ Eine richtige Ausbildung gebe es nicht, Fortbildungen belegen sie aber schon. „Im Prinzip sind wir alle nur Amateure und Amateurinnen. Ich hatte seit ich Pressesprecherin bin vielleicht vier Pressetrainings“. Dort habe sie gelernt, wie man am besten vor der Kamera spricht, Taktiken, wie sich Füllwörter vermeiden lassen, wie man Fragen entgehen kann, wenn einem die Antwort auf die gestellte Frage unklar ist. Außerdem: „Wir haben gelernt, wie wir erkennen, ob uns Journalist*innen, die der Bewegung nicht wohlgesonnen sind, verarschen wollen.“ Amateur*innen, die es also draufhaben.

Blick hinter die Kulissen

FFF ist bundesweit kein eingetragener Verein. „Einige Ortsgruppen sind Vereine, Hamburg zum Beispiel.“ Together for Future, ein Verein mit Sitz in Berlin, unterstützt bei der Unterzeichnung von Verträgen. Das ist wichtig bei Messeständen oder auch „beim Mietvertrag für unser Büro, da hat Together for Future die Haftpflicht übernommen.“

„Juristisch gesehen, sind wir gar nichts.“

Das bundesweite Spendenkonto ist bei der Organisation PlantForThePlanet hinterlegt. Das Geld werde aber von Fridays for Future verwaltet. Wie viel Geld da drauf sei? „Es ist schon nicht wenig. Ein paar Hunderttausend“, meint Emma. Aber so ein Großstreik kostet ja auch. „Der Großstreik in Berlin am 20. September 2019 mit 270.000 Teilnehmenden hat schon ein paar 10.000 Euro geschluckt.“ Logisch bei einer riesigen Bühne und der benötigten Technik.

Gemeinsam schaffen sie es, riesige Massen zu mobilisieren, was sich an den Großstreiks zeigt: Am 20. September 2019 streikten 270.000 Menschen in Berlin gemeinsam für mehr Klimagerechtigkeit. Ganze 1,4 Millionen Menschen waren es bundesweit.

Impressionen vom Großstreik am 20.09.2019 © Fridays For Future Berlin
© Fridays For Future Berlin

Es sei unglaublich schwer gewesen, die Menschen zu koordinieren. „Es war fast unmöglich, diese Masse zu stemmen! Die ersten sind gekommen, als die letzten gegangen sind.“ Die Route musste spontan verlängert werden. Und dann wurde die Demo beinahe abgeblasen, weil Rettungswagen fast nicht durchgekommen wären. „Ein Großteil der Menschen hat auch nichts vom Programm mitbekommen, da es mit der vorgesehenen Technik lediglich möglich war, nur etwa zehntausend Leute zu beschallen.“ Dazu muss man sagen, dass mit deutlich weniger Teilnehmenden gerechnet wurde, was dazu führte, dass weniger Personen für den Streik angemeldet wurden und es vor Ort zu wenig Ordner*innen gab. „Die höchsten internen Wetteinsätze für die Teilnehmerzahl lagen bei 100.000 Menschen“. Trotz der Planungsschwierigkeiten am Tag selbst war der Streik ein voller Erfolg für FFF.

„Wir konnten zeigen, dass Klimagerechtigkeit so vielen Menschen wichtig ist und wir mehr davon fordern. Abgesehen von der bloßen Zahl, haben ja auch die unterschiedlichsten Leute teilgenommen – nicht nur Schüler*innen und Studis, sondern auch viele Erwachsene, Leute die in den verschiedensten Bereichen arbeiten, Schulklassen & Kindergartengruppen und und und“ Weil so viele mitgestreikt haben, stand auch am nächsten Morgen auf jeder Titelseite von Zeitungen in ganz Deutschland etwas über die Aktion.

© Fridays For Future Berlin

Burn-Outs bei Aktiven sind keine Seltenheit

Man kann sich vorstellen wie zeitaufwendig es sein muss, solche Streiks und gleichzeitig noch die wöchentlichen Demos zu organisieren. „Es ist unglaublich zeitaufwendig. Wobei es auch immer darauf ankommt, wie viel Zeit man investieren möchte. Im ersten Jahr, in dem ich mich engagiert habe, habe ich zu viel Zeit aufgewendet. So viel, dass ich wenig geschlafen und die Schule sehr vernachlässigt habe.“

„Ich hatte keine Zeit, für Klausuren zu lernen, Hausaufgaben zu machen.“ Im Unterricht war Emma unaufmerksam, hat nebenbei noch Tagesordnungen für die Treffen geschrieben und war gleichzeitig total erschöpft, da sie wenig schlief. „Ich selbst war auch einfach fertig an einem bestimmten Punkt. Den anderen Leuten, die sich aktiv bei FFF engagieren, geht es nicht anders. Letztes Jahr war es keine Seltenheit in der Gruppe in Berlin, wenn jemand von uns aufgrund von Überarbeitung zusammengeklappt ist. Einmal im Monat gab es einen neuen Burn-Out-Fall.“ Trotzdem: „Zu der Zeit war es mir persönlich einfach unglaublich wichtig. Ich wollte auch einfach etwas verändern. Die Menschen sind mega lieb und die Arbeit macht total viel Spaß.“ Im Winter dann: mit Freundin zusammengekommen, Streikpause, wieder Kontakt zu Freund*innen außerhalb von FFF.

Von Kritiker*innen bekommt FFF oft zu hören, dass sie ja nur freitags streiken würden, um nicht in die Schule gehen zu müssen. „Wenn ich das höre, werde ich total wütend, weil ich weiß, wie viel Organisation und Arbeit in so einem Streik steckt.“ Es gehe ihnen nicht ums Schwänzen. Im Gegenteil: „Es ist ein riesiger Aufwand!“

Sexistische Strukturen in linken Kreisen

Auch in den linken Gruppierungen gebe es sexistische Strukturen. Jungs und Männer, die männlich sozialisiert wurden und sich als männlich identifizieren, werde mehr Autorität zugesprochen. Ähnlich wie in einem Unternehmen sei es leichter, bedeutende Positionen zu erlangen. „Nicht so stark ausgeprägt, wie woanders, aber dennoch vorhanden.“

Awareness-Gruppen seien eine Möglichkeit, die Ungerechtigkeit zu lösen. Bei FFF wird deswegen auf Quotierungen geachtet und Redeanteile der Geschlechter in Plenen gestoppt. Die Redeanteile von männlichen Personen hätten die der weiblichen deutlich überwogen. Das Sichtbarmachen allein sei total hilfreich, diese Unterschiede zu erkennen und dann auch zu eliminieren. „Dadurch kann man reflektieren, wie krass solche sexistischen Strukturen in der eigenen Gruppe vorhanden sind.“

„Gerade in einem linken Spektrum sorgt dies dafür, dass männlich gelesene Leute sich eher zurückhalten und weiblich gelesenen Personen den Vortritt lassen.“

Hat sich all die Mühe gelohnt?

Der sichtbarste Erfolg sei es, dass das „Klimathema“ mehr Aufmerksamkeit bekommen hat und auch öffentlich diskutiert wird. Wissenschaftler*innen, die bereits vor 50 Jahren vor den Folgen der Klimakrise warnten, deren Meinungen aber wenig Beachtung geschenkt wurde, können das erhöhte Interesse am Thema bestätigen. Scientists for Future, ein Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die FFF in ihrem Vorhaben bestärken, unterstützen die (oftmals noch jungen) Streikenden auf wissenschaftlicher Ebene. „Damit können wir unsere Argumente untermauern. Die meisten von uns sind ja noch sehr jung. Ein Grund, für die meisten Erwachsenen, uns nicht zuzuhören. Wenn dann aber daneben noch promovierte Wissenschaftler*innen stehen, dann ist das anders“, meint Emma über die Bedeutung von Scientists for Future für die Klimagerechtigkeitsbewegung FFF.

Die Initiative von Wissenschaftler*innen, die aus 28.000 Menschen im deutschsprachigen Raum besteht, hat sich zur Aufgabe gemacht, FFF in ihrem Vorhaben zu unterstützen und die wissenschaftlichen Grundlagen – also die Begründung der Forderungen der jungen Streikenden – zur Verfügung zu stellen.

„Wir bedienen uns an deren Forschung. Unsere Forderungen basieren auf den Ergebnissen der Mitarbeit mit Scientists for Future.“

© Fridays For Future Berlin

Die Politiker*innen erzählen immer das Gleiche

Das Gelernte bei ihren Coachings konnte Emma auch schon anwenden. Mit ihren 16 Jahren hat sie bereits mit verschiedenen Bundestagsabgeordneten, energiepolitischen Sprecher*innen wie weiteren Politikern gesprochen und sogar den Abgeordneten des Bundestages sowie Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer für eine Kika-Sendung interviewt.

„Die Politiker*innen sind irgendwie alle gleich drauf – zumindest habe ich das Gefühl, wenn ich mit ihnen rede. Sie haben immer die gleiche Argumentationsstruktur. Die sagen, dass sie unser Fordern und Handeln gut finden, aber sie in ihrer Partei nicht alleine entscheiden können.“ Politische Resultate würde man nicht sehen. Mit wem Emma gerne mal diskutieren würde? „Ganz klar: Julia Klöckner. Sie ist eine Ministerin, die viele Sachen macht, die ich nicht in Ordnung finde. Außerdem ist das Thema Landwirtschaft extrem wichtig für das Klima.“

Julia Klöckner ist derzeitige Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Sie behauptet zwar, dass ihr das Tierwohl am Herzen liege, hat seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren allerdings keine Anzeichen gemacht, etwas an den prekären Umständen zu verändern. Im vergangenen Jahr hat sie in einem Video mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch positiv zur neuen Strategie des Lebensmittelgiganten geäußert – klare Werbung für den milliardenschweren Konzern. Dafür erntete die Ministerin einen Shitstorm, vor allem, weil Nestlé ein Konzern ist, den viele kritisch sehen. Hier könnt ihr Genaueres zur Kritik an Nestlé nachlesen.

Klimanotstand ausrufen – die Lösung?

Der menschengemachte globale Klimawandel wird durch die Ausrufung des Klimanotstandes zu einer Krise deklariert. Durch den Klimanotstand sieht sich die Regierung dazu verpflichtet, sich priorisierend mit dem Problem des Klimawandels zu beschäftigen und folglich Maßnahmen auszuarbeiten, welche den Notstand beenden könnten. In Frankreich und Spanien beispielsweise wurde bereits der Klimanotstand ausgerufen, in Berlin (als erstes deutsches Bundesland) lediglich die Klimanotlage.

„Man sieht es an den Beispielen, dass dies meistens wenig bringt.“ Den Notstand zu deklarieren, das sei an sich eine gute Sache, aber eher Symbolpolitik, findet Emma. „Obwohl es nur Symbolpolitik ist, ist es wichtig, dieses Symbol zu senden. Es müssen aber dann auch Maßnahmen folgen.“

„Es müssen alle Maßnahmen getroffen werden, die den Klimanotstand beenden.“

FFF hat konkrete bundesweite Forderungen. Deutschland hat sich im Pariser Klimaabkommen zwar schon dazu verpflichtet, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, dennoch hat die Politik andere Pläne: „Es ist komisch, dass wir die Politiker*innen an etwas erinnern müssen, was schon längst festgelegt wurde.“

Die aktuellen vorgeschlagenen Maßnahmen von FFF:

  • Kohleaussteig 2030: Zurzeit ist dieser bis 2038 angesetzt
  • Nettonull 2035: Nicht mehr Emissionen werden produziert als die Umwelt ausgleichen kann
  • Bis 2035: 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung

„Bei unseren Forderungen geht es hauptsächlich um die Energieversorgung. Das ist ein unglaublich großer Faktor für die Umwelt. So ziemlich alles, was klimaschädlich ist, verbraucht Energie. Wenn die Energie dann aber von fossilen Energieträgern kommt, richtet das klimatechnisch viel mehr Schaden an, als wenn die Energie aus Solartechnik gewonnen werden würde.“

„Es wird uns oft gesagt, dass unsere Forderungen sehr ambitioniert sind. Aber gerade deswegen müssen wir die auch so hochstecken: Damit ein Kompromiss gefunden werden kann.“

Das Klimapaket – ein totaler Reinfall

Das sogenannte Klimapaket wurde Ende letzten Jahres von der Bundesregierung verabschiedet.

„Die Maßnahmen, die darin getroffen werden, sind absolut nicht ausreichend.“ Beispielsweise die CO2-Steuer, die in dem Klimapaket festgeschrieben ist. Aber zu einem „lächerlich kleinen Betrag“. Das Klimapaket sieht vor den Betrag jährlich bis 2025 anzupassen. Dabei handelt es sich um Beträge von zehn bis 35 Euro pro Tonne.

FFF hat da anderes im Sinn: Sie fordern eine sofortige CO2-Bepreisung in Höhe von 180 Euro pro Tonne. Laut Umweltbundesamt sei dies auch nötig, um die Kosten auszugleichen, welche die Klimakrise langfristig verursacht. Für Unternehmen würde das bedeuten, dass sie auf klimafreundliche Produktion umstellen müssten, da es ihnen wirtschaftliche Vorteile bringe. Klimafreundliche Produkte wären schließlich automatisch günstiger. Durch den freien Markt hätte die Wirtschaft also den Druck bzw. Anreiz, klimafreundlich zu produzieren, um kostengünstige Produkte für den Endverbraucher anbieten zu können.

„Man kann mit dem Geld aus der CO2-Bepreisung schon einiges anfangen, was dem Klima helfen würde“, meint Emma. Das Geld könnte der Klima-Forschung zu Gute kommen, aber ebenso Hilfe nach Naturkatastrophen darstellen.

Die Überarbeitung des Klimapakets, dahingehend, dass man von politischer Seite mehr auf die Forderungen von FFF eingeht, hält Emma für „nicht komplett unrealistisch“.

„Ich glaube aber kaum, dass sich die Bundesregierung dazu bewegen lässt, Emissionen so stark zu besteuern.“

Das liege laut Emma zum einen an der Regierungskonstellation. „Das sind Parteien, die Anders im Kopf haben. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob es mit einer Regierung aus SPD und Grünen besser werden würde.“ Unseren Forderungen würde deren Regierungsweise bezogen auf die Klimapolitik eher nicht entsprechen.“

„Die Forderungen der Grünen gehen uns nicht weit genug!“ Die „lasche Politik“ kritisiere auch die Grüne Jugend. Diese fordern Klimaneutralität schon weit vor FFF und eine autofreie Innenstadt bis 2025.

Streik als „gutes Zwischending“

Ein Herr Andreas Bitz schreibt in der Kommentarspalte zu Emmas Interview mit der Taz: „FfF, macht Euch mal Gedanken über neue Aktionsformen […], über die Bevölkerungszunahme, die gescheiterte Energiewende. […] Und warum lauft Ihr mit Holocaust-Verharmlosern wie Roger Hallam? Und warum rufen Eure Berliner Sprecherinnen mit Antifa-Fahne „Nie, nie, nie wieder Deutschland?““

Zunächst zu letzterem: „Diese Demo war nach einem Treffen von uns, wir waren dort als 20 Privatpersonen unterwegs. Ich bin mir auch sehr sicher, dass die beiden Sprecherinnen „Nie, nie, nie wieder Nazis“ geschrien haben. Wenn der Spruch kommt sagt meist die Hälfte der Demonstrierenden „Nie, nie, nie wieder Deutschland“. Eines davon ist nur manchmal lauter.“ Und warum das überhaupt bekannt ist? Eine rechte Youtuberin habe die FFF-Leute gefilmt, das Video samt Namen von zwei Sprecherinnen hochgeladen.

„Seit es FFF gibt, ist die Aktionsform der Streik und bis jetzt ist der Konsens, dass wir dabei bleiben. Es ist ein gutes Zwischending: aufmerksamkeitserregender als eine Demo, aber auch nicht so krass wie eine Blockade – bei solchen Aktionen werden ja auch Leute verhaftet.“ Bei FFF laufen auch die ganz Kleinen mit: die Kita-Kinder. „Und das soll auch so bleiben“, findet Emma. Jede*r soll mitlaufen können, ohne, dass es für sie oder ihn gefährlich werden kann.

Roger Hallam, ein britischer Umweltaktivist, welcher auch die Klimabewegung Extinction Rebellion mitbegründete, hat im Herbst letzten Jahres in einem ZEIT-Interview den Holocaust relativiert. Er sei „nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte“.

„XR ist nicht einfach. Grundsätzlich finde ich die voll cool.“ Deren Aktionen seien aufmerksamkeitserregend. Auch bei FFF gebe es einige, die XR für „ein absolutes No-Go“ halten. „Auf den Aktionen von XR, an denen ich teilgenommen habe, habe ich nichts erlebt, was ich problematisch fand. Ich habe aber auch schon von anderen Sachen gehört, zum Beispiel der öffentlichen Verharmlosung des Holocausts oder vom Blockieren von Straßen – gemeinsam mit Nazis.“

Extinction Rebellion (XR) schreiben auf ihrer Website: „Wir sind eine internationale gesellschaftspolitische Bewegung. Unser Ziel ist es, den für das Klima nötigen umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen.“

„Extinction Rebellion steht oft in der Kritik. Dafür, dass sie rassistisch und antisemitisch sind. Ich bin mir nicht sicher, wie wir auf die Äußerungen von Roger Hallam reagiert haben, aber ich glaube, kaum. XR Berlin und auch viele andere Ortsgruppen haben sich davon aber distanziert. Alle stehen zwar unter dem Namen Extinction Rebellion, die Ortsgruppen sind aber autonom organisiert.“ Daher sei es möglich, dass eine Ortsgruppe antisemitische Tendenzen hat.

Eine Freundin von Emma, „ein bekanntes Pressegesicht von FFF“, sei früher aktiv bei XR gewesen und auch auf Social Media viele Beiträge und Aufrufe von XR geteilt. Das macht sie jetzt aber nicht mehr. „Sie hat mir erzählt, dass sie, nachdem sie Kontakt zu anderen Ortsgruppen hatte, sie die Richtung von XR nicht mehr vertreten kann.“

Eines ist sicher: Wir können gespannt darauf sein, wie es mit FFF weitergeht!

Wie geht es jetzt weiter?

„Ich weiß nicht, ob wir ewig bestehen werden“, meint Emma über die Frage nach der Zukunft von FFF. Dass sie noch „eine lange Zeit“ weiterstreiken würden, stehe aber – zumindest für Emma – fest.

Nach dem letzten Großstreik Ende November gab es erstmal eine Winterpause, die sich auch durch die Pandemie nochmal verlängert hat. „Wir haben alle Kräfte gesammelt, was wir dringend brauchten und jetzt geht es wieder langsam los.“

Was Emmas Meinung zur Antifa ist, warum Antifaflaggen bei den Freitags-Streiks verboten sind und wie Emma auf Eure Fragen reagiert hat, könnt ihr im zweiten Teil dieses Interviews nachlesen.